Schwabtunnel – Verkehrsversuch als Chance

Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bezirksbeirat West begrüßen die Pläne der Verwaltung für einen Verkehrsversuch im Schwabtunnel. Er bietet die Chance, den Verkehrsraum im Schwabtunnel trotz beengter Verhältnisse gerechter zu verteilen.

Der Schwabtunnel ist die kürzeste Verbindung zwischen Stuttgart-Süd und Stuttgart-West, verfügt aber leider nur über beengte Platzverhältnisse. Die beiden schmalen Fahrspuren in der Mitte des Tunnels müssen sich Autos, Busse und Fahrräder teilen. Die leichte Steigung von Stuttgart-Süd nach Stuttgart-West sorgt dafür, dass Radfahrende hier nur langsam unterwegs sind und trotz des geltenden Überholverbots immer wieder von Autofahrenden überholt werden. Manche Radfahrende weichen deshalb verbotenerweise auf den Gehweg aus und bedrängen dort die Zufußgehenden. Doch die Zahlen zeigen: Der weit größere Anteil der Radfahrenden meidet den Tunnel komplett. Der Radverkehrsanteil im Modalsplit im Schwabtunnel ist laut Stadtverwaltung mit nur 3,3 % unterirdisch klein. Im Durchschnitt beträgt er in Stuttgart ca. 8 %. Erklärtes Ziel ist es, den Radverkehrsanteil bis 2030 auf 25 % zu steigern.

Daher ist es richtig, jetzt im Schwabtunnel einen Verkehrsversuch durchzuführen. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat gezeigt, dass wir unsere Anstrengungen im Klimaschutz drastisch erhöhen müssen, um die Folgen der Klimakrise abzumildern. Die Förderung aktiver Mobilitätsformen bringt dabei gleich mehrere Vorteile mit sich. Ein Rückgang des motorisierten Individualverkehrs bedeutet einen Rückgang klima- und gesundheitsschädlicher Emissionen. Aktive Mobilitätsformen sind nicht nur besser für das Klima, sie fördern sogar aktiv die Gesundheit. Die vermeintlichen Kosten für den Verkehrsversuch im Schwabtunnel sind gering: Diejenigen, die auf ein Auto angewiesen sind und das Glück haben, sich eines leisten zu können, müssen lediglich einen Umweg von wenigen Minuten in Kauf nehmen. Die Chancen für Klima und Gesundheit, wenn sich mehr Menschen für aktive Mobilitätsformen entscheiden, sind ungemein höher.

Nicht zuletzt sei erwähnt, dass sich ein großer Teil der Menschen in Stuttgart eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums wünscht. Das zeigt unter anderem die große Mehrzahl der Vorschläge im Bürgerhaushalt. In Stuttgart-West zeigen die provisorischen Maßnahmen am Bismarckplatz und an der Silcheranlage, dass neu gewonnene Flächen von den Menschen begeistert angenommen werden. Wir sollten den Mut haben und auch im Schwabtunnel eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums wagen, wie es der Bezirksbeirat bereits in einem Antrag im Juni 2020 einstimmig beschlossen hat.

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